Über die Pop-Up-Galerie

Ein Raum, 6 Künstler, 30 Tage: Pop-Up-Galerie in neuer Kreativtankstelle

Vernissage zum Soft-Opening der Agentur Kreativtankstelle – Junge Erfurter Künstler präsentieren einen Monat lang ausgewählte Arbeiten zum Thema Natur und Nachhaltigkeit

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Ein textiler Wandbehang mit eingearbeiteten Ahornfrüchten, im Volksmund auch „Nasenzwicker“ genannt, mannshohe abstrakte Holzskulpturen, der verschwommene Augenblick eine Landschaft: Am 29. Juni findet die Vernissage für die Pop-Up-Galerie „Nature/Art/Home“ in der Erfurter Kreativtankstelle (Veilchenstraße 32) statt. Einen Monat lang zeigen sechs Künstler aus Erfurt ihre Arbeiten, die sich in Inhalt, Form oder Material alle auf das Thema Natur oder Nachhaltigkeit beziehen. Die Besonderheit: Die Galerie wird es in dieser Form nur einen Monat lang geben. Und: Mit der Pop-up-Galerie wollen die drei Macher der Kreativtankstelle, Ronny Lessau, Kai Oppel und Kai Siegel Künstler aus verschiedenen Genres vernetzen und Kommunikation kanalübergreifend konzeptionell neu denken – und in Formaten, Kampagnen und Events erlebbar machen.

Wenn ein junger verkopfter Maler wie Tom Plehn auf einen angewandten Künstler wie Florian Schmigalle tritt, können sich die Werke durchaus vortrefflich ergänzen. So auch in der Pop-up-Galerie, in der Plehn eine kleine Arbeit aus acht monochromen Ölbildern zeigt. „In Anlehnung an die Essentielle Malerei der 70er Jahre habe ich die Wahl der Farbe und des Farbauftrags vorentschieden und mich strikt an diese Regeln gehalten. Die grauen Farbtöne entspringen der Entscheidung gegen sämtliche psychologischen Effekte, die Farben mit sich bringen“, erklärt der 22-jährige Dresdner, der 2014 ein Kunst- und Philosophiestudium an der Universität in Erfurt aufgenommen hat und jetzt an der renommierten Kunsthochschule Burg Giebichenstein für ein Malereistudium angenommen wurde.

Plehns aufgeräumte Arbeit steht den Holzskulpturen des Erfurter Künstlers Florian Schmigalle gegenüber – aber nur räumlich. Denn auch diese Figuren wirken äußerlich einfach, abstrakt und geometrisch. Jedoch nur auf den ersten Blick. Jede Skulptur ist verschieden groß und wie der Mensch aus demselben und dennoch anderen Holz geschnitzt. Die äußere Form des Uniformen löst sich individuell auf. „Meine Figuren sind stille und bewegte Formen voller Energie und Wärme. Sie sind eine Umarmung an die Menschen, zusammen zu stehen und dabei den individuellen Blick und die Haltung zu bewahren“, erklärt Schmigalle, dessen Arbeiten in einigen Wochen auch in einem ARD-Beitrag zu sehen sein werden.

Die zwei Künstler stehen symptomatisch für die Werksauswahl der Pop-Up-Galerie. Arno Heidenfelder beispielsweise steuert einen in 500 Arbeitsstunden entstandenen Tisch bei. Das Unikat lotet durch Form und Gestalt die Grenzen zwischen Gebrauchsgegenstand und Kunstobjekt so spannungsvoll aus wie die Stahlstreben, die die scheinbar schwebende Tischplatte einseitig fixieren und dem Objekt zusätzliche Dynamik verleihen. Oder der Wandbehang der Erfurter Künstlerin Sylvia Döhler, der die Natur zum Artefakt macht.

Ebenfalls zu sehen sind Bilder des Erfurter Künstlers Johannes Gräbner. Ob Monokultur, Plattenbau oder Rennsteigfantasien: Seine Bilder thematisieren das Spannungsfeld von Sehnsucht nach Natur und menschlicher Nutzung. Ein Ölgemälde hält den flüchtigen Augenblick einer Landschaft fest. Verschwommen wie Gerhard Richter, romantisch wie Caspar David Friedrich. Einen Kontrast setzt Nachwuchs-Shooting-Star Erik Lart alias (Nah *) aus Erfurt, dessen Instagram-Account mehr als 17.000 Follower zählt. Hinter starker logoartiger Symbolik und Slogans oder Tags, wie man sie vom ganz jungen Basquiat kennt, öffnet sich die Sprache der Werke durch Abstraktion, Kritik und Reflexion.

„Mit der Pop-Up-Galerie möchten wir unkompliziert einen temporären Kunstraum schaffen. Dass wir den Ort der Kreativtankstelle gewählt haben, kommt nicht von ungefähr. Hier entsteht in den nächsten Wochen ein neuartiges Agenturkonzept“, erklärt Kai Oppel, Mitgründer der Kreativtankstelle. Die Kreativtankstelle im Neubauprojekte Veilcheneck versteht sich als Hybrid. Eine große Küche im Zentrum können Interessierte künftig für Veranstaltungen mieten. Die Schaufenster indes sollen ein Medium für eigene und fremde Arbeit sein – wie etwa für die Pop-Up-Galerie.

Pop-Up-Galerie

Vernissage am 29. Juni, ab 20 Uhr
c/o Kreativtankstelle
Veilchenstraße 32
99092 Erfurt
www.kreativraum-erfurt.com